You are currently browsing the monthly archive for September 2008.
Als es für mich klar war, dass ich meinen Urlaub in Frankreich verbringen würde, bin ich auf die Suche nach einem kleinen Büchlein gegangen, dass ich auf Französisch lesen könnte, um mein Französisch mal wieder ein wenig aufzupolieren. Und dabei bin ich auf ein von mir bisher ignoriertes Buch gestossen, 35 Kilo Hoffnung von Anna Gavalda. Und da ich Anna ja liebe, habe ich mir dieses Buch natürlich gekauft.
In 35 Kilo Hoffnung, oder 35 kilo d’espoir, geht es um Gregoire, einem 13-jährigen Jungen, der sich eher schlecht als Recht durchs Leben kämpft. Nachdem er bereits zweimal sitzen geblieben ist, wird er auch noch von der Schule gewiesen, mit seinen Eltern kommt er eigentlich ziemlich gut zurecht, würde es da nicht immer wieder Probleme mit der Schule geben. Denn Gregoire versteht nicht, wieso er in die Schule gehen soll und dort alles lernen soll. Viel lieber würde er neue Sachen erfinden oder mit seinem Großvater in dessen Schuppen sitzen und basteln. Denn das kann Gegoire wirklich gut und träumt von einer Karriere als Erfinder. Der Großvater ist der einzige Halt für Gregoire in seiner Welt, bis dieser schwer erkrankt.
Diese kurze aber wunderschöne Geschichte von Anna Gavalda hat alles, was eine wunderschöne, liebevolle Geschichte braucht. Während man das Buch liest, ist einem zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken, zum Schweigen zumute. Anna Gavalda schafft es hier wieder einmal, uns mit ihrem Schreibstil zu fangen und nicht wieder loszulassen.
Ich habe dieses Buch als Reclam in Französisch gelesen, mit deutscher Vokabelhilfe. Es ist aber natürlich auch in Deutsch zu erlangen.
Viel Spaß!
Link zu Amazon.de (frz. Reclam mit deutscher Vokabelhilfe)
Link zu Amazon.de (deutsche Ausgabe)
Trilogie: Der Herr der Ringe. Buch 3.
Gondor ist belagert. Merry und Dernhelm, töten den Anführer der Schwarzen Reiter.
Eine Abteilung marschiert zu den Toren von Mordor um dort Saurons aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Frodo und Sam sind fast an ihrem Ziel, doch Frodo zerbricht fast an der Last des Ringes, so dass Sam ihn den meisten Weg tragen muss.
Die Abteilung vor den Toren Mordors, kämpft ohne zu wissen ob Frodo erfolgreich sein wird und nur ihre Hoffnung hilft ihnen dabei stand zu halten.
Im entscheidenden Moment wird ach Gollum noch eine wichtige Rolle zu teil und Sauron muss feststellen dass er seine Gegner unterschätzt hat.
Link zu Amazon.de
Trilogie: Der Herr der Ringe. Buch 2.
Der Bund ist zerbrochen, Gandalf verloren. Frodo und Sam sind fort, nur Merry und Pippin bleiben mit Boromir zurück. Da werden sie von einem Orkheer überfallen. Boromir verteidigt die Freunde bis zu seinem eigenen Tod, doch die Hobbits werden gefangengenommen. Aragorn, Legolas und Gimli nehmen ihre Spur auf. Merry und Pippin gelingt die Flucht, und sie kommen in einen geheimnisvollen Wald, wo sie Baumbart treffen, einen uralten, baumähnlichen Riesen vom Geschlecht der Ents. Er erkennt die Gefahr, die Mittelerde droht, und sammelt sein Volk, um Saruman anzugreifen. Vor Helms Klamm schlagen sie eine unvergessliche Schlacht. Zur gleichen Zeit nähern sich Frodo und Sam Mordor. Gollum, angezogen von dem Ring, folgt ihnen. Sie fangen ihn ein und machen ihn zu ihrem Führer. Gollum bringt sie zu den geheimen Stufen, dem Zugang zum Land Mordor.
Auch der zweite teil ist berauschend detailliert und gefühlsgeladen. Die verschiedenen Geschichtsstränge werden geschickt geführt, so dass es sich trotz des anspruchsvollen Schreibstils gut lesen lässt.
Link zu Amazon.de
1. KAPITEL
Der Tag, an dem ich starb, hat nicht wirklich Spaß gemacht.
Und das lag nicht nur an meinem Tod. Um genau zu sein :
Der schaffte es gerade so mit Ach und Krach auf Platz sechs
der miesesten Momente des Tages. Auf Platz fünf landete
der Augenblick, in dem Lilly mich aus verschlafenen Augen
ansah und fragte : « Warum bleibst du heute nicht zu Hause,
Mama ? Es ist doch mein Geburtstag ! »
Auf diese Frage schoss mir folgende Antwort durch den
Kopf : « Hätte ich vor fünf Jahren gewusst, dass dein Geburtstag
und die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises mal
auf einen Tag fallen würden, hätte ich dafür gesorgt, dass
du früher zur Welt gekommen wärst. Mit Kaiserschnitt ! »
Stattdessen sagte ich nur leise zu ihr : « Es tut mir leid,
mein Schatz. » Lilly knabberte traurig am Ärmel ihres Pumuckl-
Pyjamas, und da ich diesen Anblick nicht länger ertragen
konnte, fügte ich schnell den magischen Satz hinzu, der
jedes traurige Kindergesicht wieder zum Lächeln bringt :
« Willst du dein Geburtstagsgeschenk sehen ? »
Ich hatte es selbst noch nicht gesehen. Alex musste es besorgen,
da ich vor lauter Arbeit in der Redaktion schon seit
Monaten nicht mehr irgendwo einkaufen war. Ich vermisste
das auch nicht. Für mich gab es kaum etwas Nervigeres als
in der Supermarktschlange wertvolle Lebenszeit zu vergeuden.
Und für all die schönen Dinge des Lebens, von Kleidung
über Schuhe bis hin zu Kosmetika, musste ich nicht einkaufen
gehen. Die bekam ich dankenswerterweise als Kim Lange,
Moderatorin von Deutschlands wichtigster Polit-Talkshow,
von den nobelsten Firmen gestellt. Die « Gala » zählte mich
dementsprechend zu den « bestangezogenen Frauen um die
dreißig », während eine andere große Boulevardzeitung mich
weniger schmeichelhaft als « leicht stämmige Brünette mit
deutlich zu dicken Schenkeln » bezeichnete. Ich lag mit der
Zeitung im Clinch, weil ich verboten hatte, Fotos von meiner
Familie abzudrucken.
« Hier ist eine kleine, wunderschöne Frau, die will ihr Geschenk
haben », rief ich durchs Haus. Und aus dem Garten
tönte es zurück : « Dann soll diese wunderschöne kleine Frau
mal herauskommen ! » Ich nahm meine aufgeregte Tochter an
die Hand und sagte zu ihr : « Zieh dir aber deine Hausschühchen
an. »
« Ich will die nicht anziehen », motzte Lilly.
« Du erkältest dich sonst ! », warnte ich. Aber sie antwortete
nur : « Ich hab mich gestern auch nicht erkältet. Und da
hatte ich auch keine Hausschuhe an. »
Und eh ich ein vernünftiges Gegenargument für diese abstruse,
aber in sich geschlossene Kinderlogik gefunden hatte,
lief Lilly auch schon barfuß in den vom Morgentau glänzenden
Garten.
Geschlagen folgte ich ihr und atmete tief ein. Es roch nach
« bald ist Frühling », und ich freute mich zum tausendsten Mal
mit einer Mischung aus Verblüffung und Stolz darüber, dass
ich meiner Tochter so ein tolles Potsdamer Haus mit einem
Riesengarten bieten konnte, war ich doch selbst in einem
Berliner Plattenbau aufgewachsen. Unser Garten dort hatte
lediglich aus drei Blumenkästen bestanden, bepflanzt mit Geranien,
Stiefmütterchen und Zigarettenkippen.
Alex erwartete Lilly an einem von ihm selbst zusammengezimmerten
Meerschweinchenkäfig. Er sah mit seinen dreiunddreißig
Jahren immer noch verdammt gut aus – wie
eine jüngere Version von Brad Pitt, nur dankenswerterweise
ohne dessen langweiligen Schlafzimmerblick. Ich wäre wohl
von seinem Aussehen hin und weg gewesen, wenn noch alles
okay zwischen uns gewesen wäre. Doch leider war unsere Beziehung
zu diesem Zeitpunkt so stabil wie die Sowjetunion
1989. Und sie hatte ähnlich viel Zukunft.
Alex kam nicht damit klar, mit einer erfolgreichen Frau
verheiratet zu sein, und ich nicht damit, mit einem frustrierten
Hausmann zusammenzuleben, den es von Tag zu Tag
fertiger machte, dass er sich auf dem Spielplatz von anderen
Müttern anhören musste : « Es ist ja sooo toll, wenn ein
Mann sich um die Kinder kümmert, anstatt dem Erfolg hinterherzujagen.
»
Entsprechend begannen Gespräche zwischen uns oft mit
« Deine Arbeit ist dir wichtiger als wir » und endeten noch
häufiger mit « Wehe, du wirfst jetzt den Teller, Kim ! ».
Früher folgte darauf wenigstens noch Versöhnungssex.
Jetzt hatten wir schon seit drei Monaten keinen mehr. Was
schade war, denn unser Sex war ordentlich bis großartig, je
nach Tagesform. Und das will was heißen, denn mit all den
Männern, die ich vor Alex hatte, war Sex nicht gerade ein
Anlass gewesen, die innere La-Ola-Welle zu machen.
« Hier ist dein Geschenk, wunderschönes Mädchen », sagte
Alex lächelnd und zeigte auf das mümmelnde Meerschweinchen
im Stall. Lilly rief begeistert : « Ein Meerschweinchen ! »
Und ich ergänzte entsetzt in Gedanken : « Ein verdammt
schwangeres Meerschweinchen ! »
Während Lilly ihr neues Haustier voller Freude betrachtete,
packte ich Alex an der Schulter und zog ihn zur Seite.
« Das Vieh ist kurz davor, sich zu vermehren », sagte ich
zu ihm.
« Nein, Kim, es ist nur etwas dick », wiegelte er ab.
« Wo hast du es denn her ? »
« Von einer gemeinnützigen Tierfarm », kam die pampige
Antwort.
« Warum hast du es denn nicht in einem Zooladen gekauft
? »
« Weil die Tiere da genauso am Rad drehen wie deine Fernsehtypen.
»
Peng ! Das sollte mich treffen, und das tat es auch. Ich atmete
durch, schaute auf die Uhr und sagte mit gepresster
Stimme : « Keine dreißig Sekunden. »
« Wie ‹keine dreißig Sekunden› ? », fragte Alex irritiert.
« Du hast keine dreißig Sekunden mit mir geredet, ohne
mir Vorwürfe zu machen, dass ich heute zu der Verleihung
gehe. »
« Ich mach dir keine Vorwürfe, Kim. Ich stell nur deine
Prioritäten in Frage », erwiderte er.
Das alles regte mich wahnsinnig auf, denn eigentlich
hätte ich mir doch gewünscht, dass er mit zu der Fernsehpreis-
Verleihung kommen würde. Schließlich sollte das der
größte Moment in meinem Berufsleben werden. Und da
hätte mein Mann verdammt nochmal an meine Seite gehört !
Aber ich konnte ja schlecht seine Prioritäten in Frage stellen,
denn die bestanden ja darin, Lillys Kindergeburtstag auszurichten.
Und so sagte ich sauer : « Und das blöde Meerschweinchen
ist doch schwanger ! »
Alex erwiderte trocken : « Mach doch einen Schwangerschaftstest
», und ging zum Käfig. Ich blickte ihm wütend
nach, während er das Meerschweinchen rausholte und es der
überglücklichen Lilly in die Arme legte. Die beiden fütterten
es mit Löwenzahn. Und ich stand daneben. Gewissermaßen
im Abseits, das mehr und mehr zu meinem Stammplatz
in unserer kleinen Familie wurde. Kein schöner Ort.
Und hier im Abseits musste ich an meinen eigenen Schwangerschaftstest
zurückdenken. Als meine Regel damals ausblieb,
schaffte ich es sechs Tage lang mit fast übermenschlicher
Verdrängungskraft, diese Tatsache zu ignorieren. Am
siebten sprintete ich gleich morgens mit einem « Scheiße,
Scheiße, Scheiße » auf den Lippen in die Apotheke, kaufte
einen Schwangerschaftstest, sprintete zurück nach Hause,
ließ den Test vor lauter Nervosität ins Klo fallen, rannte wieder
zur Apotheke, kaufte einen neuen Test, rannte erneut
zurück, pinkelte auf das Stäbchen und musste eine Minute
warten.
Es war die längste Minute meines Lebens.
Eine Minute beim Zahnarzt ist ja schon lang. Eine Minute
Musikantenstadl ist noch länger. Aber die Minute, die
so ein blöder Schwangerschaftstest braucht, um sich zu entscheiden,
ob er nun einen zweiten Strich haben wird oder
nicht, ist die härteste Geduldsprobe der Welt.
Noch härter war es aber für mich, den zweiten Strich zu
sehen.
Ich überlegte abzutreiben, aber ich konnte den Gedanken
daran kaum ertragen. Ich hatte gesehen, wie meine beste
Freundin Nina das mit neunzehn Jahren nach unserem Italienurlaub
tun musste und wie sehr sie dabei gelitten hatte.
Mir war durchaus klar, dass ich bei aller Härte, die ich mir
als Talkshow-Moderatorin angewöhnt hatte, mit diesen Gewissensqualen
viel schlechter klarkommen würde als Nina.
Es folgten also neun Monate, die mich sehr verunsicherten
: Während ich Panik schob, kümmerte sich Alex extrem
lieb um mich und freute sich unglaublich auf das Kind. Das
machte mich irgendwie wütend, fühlte ich mich dadurch
doch umso mehr als Rabenschwangere.
Überhaupt war für mich der ganze Schwangerschaftsprozess
unheimlich abstrakt. Ich sah Ultraschallaufnahmen und
fühlte Tritte gegen die Bauchwand. Aber dass da ein kleiner
Mensch in mir wuchs, konnte ich nur in ganz wenigen, kurzen
Momenten des Glücks begreifen.
Die meiste Zeit war ich damit beschäftigt, mich mit Übelkeiten
und Hormonschwankungen herumzuschlagen. Und
mit Schwangerschaftskursen, in denen man « seinen Uterus
abspüren » sollte.
Sechs Wochen vor der Geburt hörte ich auf zu arbeiten
und bekam auf unserem Sofa einen Eindruck davon, wie
sich gestrandete Wale fühlen mussten. Die Tage waren zäh,
und als meine Fruchtblase platzte, wäre ich vielleicht sogar
erleichtert gewesen, dass es endlich losging, hätte ich nicht
gerade in der Kassenschlange im Supermarkt gestanden.
Ich legte mich, wie von meinem Arzt für einen solchen
Fall angeordnet, sofort auf den kalten Boden. Die umstehenden
Kunden kommentierten das mit Sätzen wie : « Ist das
nicht Kim Lange, die olle Moderatorin ? », « Mir egal, Hauptsache,
die machen noch ’ne zweite Kasse auf ! » und « Bin ich
froh, dass ich den Schweinkram nicht wegwischen muss. »
Der Krankenwagen kam erst nach dreiundvierzig Minuten,
in denen ich ein paar Autogramme gab und der Kassiererin
erklären musste, dass sie ein falsches Bild von männlichen
Nachrichtensprechern hatte. (« Nein, die sind nicht
alle schwul. »)
Im Kreißsaal angekommen, begann eine fünfundzwanzigstündige
Geburt. Die Hebamme spornte mich zwischen den
fürchterlichen Wehen ständig an : « Sei positiv. Heiß jede
Wehe willkommen ! » Und ich dachte mir im Schmerzenswahn
: « Wenn ich das hier überleb, bring ich dich um, du
blöde Schnepfe ! »
Ich glaubte, ich müsste sterben. Ohne Alex und seine beruhigende
Art hätte ich es wohl kaum durchgestanden. Er wiederholte
immer wieder mit fester Stimme : « Ich bin bei dir.
Immer ! » Und ich quetschte seine Hand dabei so fest, dass er
sie noch Wochen später nicht richtig bewegen konnte. (Die
Schwestern verrieten mir nachher, dass sie immer Noten vergeben,
wie liebevoll Männer sich in den Stressstunden der
Geburt gegenüber ihren Frauen verhalten. Alex erreichte
eine sensationelle 9,7. Der allgemeine Notendurchschnitt
lag bei 2,73.)
Als die Ärzte mir nach all der Qual die kleine – von der
Geburt ganz zerknautschte – Lilly auf den Bauch legten, waren
alle Schmerzen vergessen. Ich konnte sie nicht sehen, da
mich die Ärzte noch versorgten. Aber ich spürte ihre weiche,
faltige Haut. Und dieser Augenblick war der glücklichste in
meinem ganzen Leben.
Nun, fünf Jahre später, stand Lilly im Garten vor mir,
und ich konnte ihren Geburtstag nicht mitfeiern, weil ich
zu der Fernsehpreis-Verleihung nach Köln musste.
Ich schluckte und ging schweren Herzens zu meiner Kleinen,
die sich gerade einen Namen für das Meerschweinchen
ausdachte (« Entweder heißt es Pipi, Püpschen oder Barbara
»). Ich gab ihr ein Küsschen und versprach : « Ich verbringe
morgen den ganzen Tag mit dir. »
Alex kommentierte das abfällig : « Wenn du deinen Preis
gewinnst, gibst du doch morgen die ganze Zeit Interviews. »
« Dann verbring ich eben den Montag mit Lilly », erwiderte
ich angefressen.
« Da hast du Redaktionssitzung », konterte Alex.
« Dann lass ich die eben sausen. »
« Sehr wahrscheinlich », sagte er mit einem sarkastischen
Grinsen, das bei mir den tiefen Wunsch auslöste, ihm eine
Dynamitstange in den Mund zu stopfen. Er krönte das
Ganze mit : « Du hast nie Zeit für die Kleine. »
Als Lilly das hörte, sagten ihre traurigen Augen : « Papa
hat recht. » Das traf mich bis ins Mark. So sehr, dass ich zitterte.
Verunsichert streichelte ich Lilly über die Haare und
sagte : « Ich schwör dir hoch und heilig, wir werden uns bald
einen ganz tollen Tag machen. »
Sie lächelte schwach. Alex wollte etwas sagen, aber ich
blickte ihn so durchdringend an, dass er sich das schlauerweise
anders überlegte. Höchstwahrscheinlich konnte er
die Dynamitstangen-Phantasie in meinen Augen lesen. Ich
drückte Lilly nochmal fest an mich, ging über die Terrasse*
ins Haus, atmete einmal kräftig durch und bestellte mir ein
Taxi zum Flughafen.
Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, wie schwer es
werden würde, meinen Schwur gegenüber Lilly zu erfüllen.
* Aus Casanovas Erinnerungen : In meinem hundertunddreizehnten
Leben als Ameise begab ich mich mit einer Kompanie an die Erdoberfläche.
Wir sollten im Auftrag der Königin das Terrain rund um unser Reich
erkunden. Wir marschierten durch die sengende Hitze auf heißem, sonnenerwärmtem
Gestein, da verfinsterte sich binnen Sekunden die Sonne
auf fast schon apokalyptische Art und Weise. Meine Augen spähten gen
Himmel, und ich erblickte die Sohle einer Frauensandale, die sich unaufhaltsam
auf uns herabsenkte. Es war so, als fiele uns der Himmel auf den
Kopf. Und ich dachte bei mir : « Schon wieder muss ich sterben, weil ein
Mensch nicht angemessen auf seine Schritte achtet. »
Leseprobe unter www.rowohlt.de

Neueste Kommentare